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01.09.2006 - 20 Jahre Naikan in Deutschland


20 Jahre Naikan; 8. Naikan-Forum
von Dr. Claudia Müller-Ebeling

Organisiert von Gerald Steinke, Leiter des deutschen Naikan-Zentrums in Tarmstedt, fand vom 18. bis 20. August 2006 im Niels-Stensen-Haus ein Rückblick auf 20 Jahre Naikan statt. Der Einladung folgten naikanerfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Naikan-Zentrums Tarmstedt aus ganz Deutschland, um sich über den Einsatz dieser effizienten Selbsterforschungsmethode in ihren jeweiligen Berufsfeldern auszutauschen.

Zu den aufschlussreichen Referaten — unter anderen über die erfolgreiche Naikanpraxis im Suchthilfehof Fleckenbühl, bei Marburg — gehörte auch der zukunftsweisende Appell von Dr. Hans Alberts aus Bremen, diese Innenschau in die Ethikschulung der Polizei einzuführen.
Am Samstagmorgen diskutierten Arbeitsgruppen den aktuellen Stand der Dinge und anstehende Fragen und Aktivitäten in Bezug auf Naikan im deutschen Strafvollzug, in der Psychotherapie, in der Schule, in der Seelsorge und als methodischen Coachingansatz bei Einzel- und Gruppenprozessen.

Naikan im Strafvollzug

An der von der Leiterin des niedersächsischen Strafvollzugs im Justizministerium Hannover, Dr. Monica Steinhilper, moderierten Arbeitsgruppe nahmen Justizbedienstete aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen teil. Psychologen, SozialpädagogInnen, Gefängnisseelsorger und die stellvertretende Leiterin der JVA Lingen (Silke Hoppe). (Im Auditorium waren des weiteren die Leiterin der JVA Braunschweig (Krimhild Timmermans-Eike), die stellvertretende Leiterin der JVA Hannover (Sabine Hamann) und weitere Gefängnisseelsorger anwesend.)
Von 2001 bis 2006 absolvierten 150 Häftlinge eine Naikanwoche. Vornehmlich in niedersächsischen Strafvollzugseinrichtungen und seit zwei Jahren auch in der JVA Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz). Dabei stellte sich den Gefängnispsychologen aus Sachsen, wo es bislang keinen derartigen Modellversuch gibt, die Frage, wie sie in Ihrem Bundesland von den bisherigen Erkenntnissen profitieren könnten. Die entsprechenden Erfahrungen bewerteten die Justizbediensteten, die sich während der jeweils siebentägigen Naikanwoche täglich 15 Stunden engagiert hatten, durchweg positiv: „Die achtsame Atmosphäre im ganzen Haus und die Ernsthaftigkeit der beteiligten Gefangenen waren beeindruckend.“

Bundesweite Fachtagung

Damit die von Niedersachsen ausstrahlende hoffnungsvolle Signalwirkung dieser ebenso kostengünstigen wie auch zeitsparenden Methode zur Resozialisierung von Straftätern keine euphorische Eintagsfliege bleibt und in naher Zukunft bundesweit fruchtbar eingesetzt werden kann einigte sich die Arbeitsgruppe unter der Ägide von Frau Dr. Steinhilper auf zwei wesentliche Schritte: Eine wissenschaftliche Begleitstudie zur Überprüfung der langfristigen Effektivität von Naikan hinsichtlich der Rückfallquoten entlassener Straftäter und eine in der Ev. Akademie Loccum, in Kooperation mit dem Naikan-Zentrum Tarmstedt, anberaumte und von Niedersachsen ausgerichtete bundesweite Fachtagung über Naikan in Strafvollzug mit speziellen Referaten zum Einsatz dieser Methode in der Seelsorge und in der Psychotherapie.

Naikan in Schulen

Bezüglich der PISA-Studie und der bundesdeutschen Schulbildung ist die soziale Kompetenz ein viel bemühtes Schlagwort. Erstaunlich, dass dabei einzig das oft gescholtene Schlusslicht Bremen neue und viel versprechende Wege geht. Obgleich öffentlich lautstark eingefordert, steht nirgendwo das Training von Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Selbstreflektion, Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein auf dem Lehrplan. Doch am Schulzentrum Habenhausen in Bremen vermitteln Lehrerinnen und Lehrer seit vier Jahren in einigen 5. bis 10. Klassen einen bislang einzigartigen Weg der Achtsamkeit; -Naikan.
Die in Kürze zu erwartende Auswertung dieser vierjährigen Studie und das neue Buch "Naikan in der Schule" mit einem Vorwort des ehemaligen Bürgermeisters von Bremen Dr. Henninig Scherf macht neugierig.
Eine besondere Qualität dieser Tagung war die fachübergreifende Vernetzung von Menschen in leitenden Positionen. So wird der Geschäftsführer des universitären Transplantationszentrums Hamburg, Dipl. Betriebswirt Dietmar Horch, auf Einladung von Frau Dr. Steinhilper im nächsten Jahr an der Führungsakademie des niedersächsischen Strafvollzugs in Celle über Naikan im Management sprechen.

Schlussworte der Moderatorin Gabriele Castagnoli aus Zürich:
„Man spürte bei allen Teilnehmern dieser Tagung, dass sie unserer Gesellschaft in allen Bereichen etwas geben möchten, statt immer nur zu nehmen.“


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