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Buchbesprechung in der Zeitschrift ab40


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Bravo! Dieses Buch wird Geschichte machen. Zunächst lässt das Vorwort eines niedersächsischen Justizministers neugierig werden: Naikan im Justizvollzug? Das muss schon starker Tobak sein, der unter gegebenen Bedingungen "den Blick nach innen und die Meditation erleichtern". Ein Krankenhauspfarrer schreibt: "Naikan ist ein Weg, das Ungleichgewicht in den Waagschalen des Lebens auszugleichen. Naikan gräbt intensiv nach den Schätzen, die - ans Licht gehoben -. das Grundgefühl verändern. Wer sich einer Woche Naikan stellt, - in Abgeschiedenheit und Geborgenheit -, kommt zum Ergebnis: Ich bin ein reich beschenkter Mensch." Naikan bedeutet in Japanisch "Innenschau". Für einen Chefarzt ist
Naikan nicht primär Versöhnung, sondern "genaues Hinsehen. Hinsehen auf eine innere Wirklichkeit, die durch Urteile und Konzepte oft verstellt wird." Ein Workshop von Gerald Steinke für Therapeuten in der Klinik war bewegend: "Es wurden nicht große Gefühlsstürme aufgerührt, sondern es wurden Dinge glasklar, Vorgänge scharf umrissen, der Nebel über mancher Biographie lichtete sich und die Regionen der innerseelischen Landschaft wurden transparent wie im Scirocco."
Die Witwe des Begründers erzählt, wie schwierig es war, die Idee von Naikan zu verbreiten. Zu Beginn hatte ihr Mann die zentrale Frage gestellt: "Wohin gehen Sie, wenn Sie jetzt sterben?" Keiner wollte dies beantworten und keiner ließ sich darauf ein. Zu Beginn leitete er die Sitzungen kostenlos. Tagsüber musste er die Geschäfte seiner Firma führen. Er hatte nur abends Zeit, in die Dörfer zu gehen und leitete die Gespräche während der Nacht, denn tagsüber mussten alle arbeiten. Er fragte die Leute, was sie tagsüber in diesem Monat geprüft hätten, denn sie übten Naikan während der täglichen Verrichtungen. Naikan ist eine Selbsterkenntnismethode. Es ist eine effektive Methode der Selbstreflexion. Diese basiert auf drei Fragen:
1. Was hat diese Person (in Bezug auf Abschnitte der eigenen Vergangenheit als wichtige Bezugsperson) mir Gutes getan? 2. Was habe ich dieser Person Gutes getan?
3. Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person bereitet?

Die Kunsthistorikerin und Ethnologin Claudia Müller-Ebeling meint in ihrem Vorwort: "Je mehr Mütter, Väter, Lehrer, Schüler, Beamte, leitende Angestellte, Ärzte, Therapeuten, Patienten etc. solche Erkenntnisse in ihrem Wirkungsfeld in die Tat umsetzen, um so mehr profitiert letztendlich die Gesellschaft davon. Auf lange Sicht kann dadurch auch der zunehmenden Gewaltbereitschaft und viel beklagten mangelnden Eigeninitiative entgegen gewirkt werden." Ist Naikan typisch asiatisch oder japanisch? Zitieren lässt sich Mare Aurel, der Philosoph und römische Kaiser, der schrieb: "Bedenke, dass alles nur auf Deiner Meinung beruht und diese in Deiner Macht steht. Gib darum, wenn du willst, Deine Meinung auf! Dann empfängt dich gerade wie einen Mann, der das Kap umsegelt hat, auf einmal eine Meeresstille: Alles liegt ruhig da, und die Bucht ist wie ein Spiegel." Zitieren lässt sieh auch das Naikan-Gedicht eines Häftlings: Ich sitz am Tisch und prüf mein Leben/ Ich lass nichts aus, so ist Naikan eben./ Der Mut verlässt mich manches Mal,/ doch Naikan lässt mir keine Wahl./ Da muss ich durch und tut's auch weh / das Naikan, das ist schon o.k." Schade, dass ich als Rezensentin nicht das ganze Buch zitieren kann, sondern mit den Worten Marie Ebner-Eschenbachs enden muss: "Nicht was wir erleben, sondern wie wir erleben, was wir erleben, macht unser Schicksal aus."
Nochmals: Bravo! Unbedingt lesen, und selber machen!
Kay Hoffman




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