Weg der Versöhnung

Naikan – ein Weg der Versöhnung

NAIKAN heißt „Innenschau“ und wurde von Ishin Yoshimoto vor etwa vor 75 Jahren in Japan entwickelt. Es ist ein sanfter und doch äußerst wirkungsvoller Weg der Selbsterkenntnis, der meditative und psychologische Aspekte vereint. Eine Art Selbsttherapie mit einem Hauch von Zen. Wobei diese Methode völlig frei von religiösen Formen und Inhalten ist. NAIKAN setzt keine besonderen Kenntnisse oder Meditations-Erfahrungen voraus. NAIKAN ist sehr einfach – um mit den Worten des Begründers Ishin Yoshimoto zu sprechen – kinderleicht.

Der NAIKAN Begründer Ishin Yoshimoto im Jahre 1987 – Gerald Steinke, Gründer und Leiter des ersten Deutschen NAIKAN-Zentrums in Tarmstedt bei Bremen, ist zu Besuch in Japan.

Jeder kann NAIKAN üben, gleich welchen Alters, nur einzig und allein die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen, genügt.

2018 bekam Jörg Alex Fot die Nachfolge und Leitung des NAIKAN-Zentrums übertragen. „In meinem Fall vergingen viele Jahre, vom ersten Kontakt mit Gerald Steinke, bis ich mich dann, inspiriert von einem guten Zen-Freund, ins Stammhaus des Klassischen NAIKAN nach Tarmstedt auf den Weg machte, um mir sieben Tage lang in einem ruhigen und geschützten Rahmen drei Fragen zu stellen“:

1. Was hat eine Person (Mutter, Vater, Partner …) in dieser Zeit für mich getan?
2. Was habe ich für diese Person in dieser Zeit getan?
3. Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person in dieser Zeit bereitet?

Drei Fragen, die vieles klar machen

Jeder Teilnehmer prüft sich hinter seinem Wandschirm zu diesen Fragen. Erforscht werden Tatsachen und Fakten, keine Emotionen, Interpretationen oder Erklärungen. Auch die besonders liebevoll zubereiteten Mahlzeiten werden hinter dem Wandschirm zu sich genommen. Alle 90 Minuten kam der Naikanleiter nacheinander zu jedem Teilnehmer, öffnete behutsam den Wandschirm mit den Worten „Entschuldige bitte!“, verneigte sich und erkundigte sich, woran ich mich, bezüglich der Fragen erinnern konnte, hörte zu, ohne zu bewerten oder zu kommentieren. Bedankte und verneigte sich erneut und schloss leise den Wandschirm. Ich hatte Zeit bis zum nächsten Gespräch, um mich weiter zu erinnern.

Ich war darüber erstaunt, woran ich mich alles erinnern konnte und es gab auch Blockaden und Gedächtnislücken … auch darauf reagierte der NAIKAN-Leiter gleichmütig und wohlwollend. Nur wenn ich mich in die sogenannten vierte Frage verirrte „Welche Schwierigkeiten hat die betreffende Person mir gemacht?“, griff er regulierend ein. Diese Frage wird bewusst ausgelassen. Der klare Rahmen und die vorgegebene Struktur im Naikan waren sehr hilfreich und wirkten auf mich beruhigend, die selbstquälerischen Gedanken wurden immer leiser. Nach dieser Woche – die durchaus recht emotional verlaufen ist – habe ich eine andere Sichtweise auf mich und mein Leben gewonnen.

Eine ganz andere Perspektive

Als Gestalttherapeut und Meditationslehrer habe ich durch die Schule des Lebens viele Erfahrungen machen dürfen und mich mit unterschiedlichsten Methoden beschäftigt. Als ich das erste Mal von NAIKAN hörte, dachte ich: „klingt interessant und ist bestimmt gut, aber das brauche ich nicht!“ Die langjährige Meditationspraxis und das Karunatraining haben mich sensibler und feinfühliger mir selbst und anderen gegenüber werden lassen. Die NAIKAN-Praxis ermöglichte es mir, noch mal eine ganz andere Perspektive einzunehmen, mich von außen zu betrachten und zu erleben, mit all meinen Ecken, Kanten und Schwächen … und mich auch darin anzunehmen.

Nach der NAIKAN Woche empfand ich ein tiefes Gefühl von Demut und Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die mich in meinem Leben begleitet haben und noch begleiten. Auch mir selbst gegenüber war ich bedeutend ruhiger und sanfter geworden.

Das Gute im eigenen Leben

In unserer Wahrnehmung und auch in unserer Erinnerung schauen wir aus einer bestimmten Perspektive: haben mehr den Focus darauf, was gerade nicht so gut ist, erinnern viel leichter die unangenehmen und negativen Dinge (vierte Frage). Das Positive wird oft als selbstverständlich hingenommen und später kaum noch erinnert. Im NAIKAN bemühen wir uns, die reinen Tatsachen zu prüfen und nicht zu bewerten. Nahezu alle NAIKAN Teilnehmer berichten nach der NAIKAN Woche, wie überrascht sie von ihrem reichen Leben sind und wie viel Gutes ihnen widerfahren ist … fast so, als wenn jemand ein Licht angeschaltet hätte.

Das ist keine beschönigte Darstellung, es ist eine erweiterte Perspektive im Leben hinzugekommen, etwas Ganzheitliches. Mich selbst hat die Erfahrung inspiriert, den NAIKAN Weg weiter zu gehen. Ich habe mich im NAIKAN Stammhaus in der Klassischen Methode ausbilden lassen und werde zukünftig in Tarmstedt und weiteren Seminarhäusern Kurse als NAIKAN-Leiter begleiten.

NAIKAN hat in den über 30 Jahren, seit die Methode in Deutschland Einzug gehalten hat, viele Menschen erreicht und Kooperationspartner gewonnen. Maßgeblich daran beteiligt waren Gerald Steinke und seine Frau Dorle. Er hat sich von Ishin Yoshimoto ausbilden lassen und NAIKAN nach Deutschland gebracht. Gerald Steinke hat wahre Pionierarbeit geleistet und wir haben ihm NAIKAN in seiner heutigen Form und Bekanntheit zu verdanken. Leider verstarb Gerald Steinke am 1. Juli 2010 nach schwerer Krankheit. Sein größter Wunsch war es, dass es mit der  „Klassischen NAIKAN-Methode“ weiter gehen wird. Mehrere seiner Weggefährten übernahmen die Leitung der NAIKAN-Kurse. Sie wurden von Gerald Steinke ausgebildet und als NAIKAN-Begleiter autorisiert.

Seit vielen Jahren wird NAIKAN erfolgreich im Strafvollzug eingesetzt. Justizministerien, kirchliche Einrichtungen, Schulen, Suchthilfeträger, Stiftungen, Universitäten, Kliniken und Unternehmen haben die Vorteile der NAIKAN Methode erkannt. Näheres unter www.naikan.de

 

Es gibt gute Gründe, sich für eine NAIKAN Woche zu entscheiden:

– Sie sind neugierig auf sich selbst
– Sie haben eine aktuelle Schwierigkeit (in der Beziehung, im Beruf, bei anstehenden Veränderungen, …)
– Sie haben ein aktuelles Problem (Krankheit, Abhängigkeit, Trennung, Abschied, …)
– Sie möchten sich eine bewusste Auszeit nehmen, um ganz in Ruhe das eigene Leben zu betrachten …

NAIKAN ist geeignet für Menschen, die den Sinn ihres Lebens suchen, die die Bedeutung ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen und sich auf ihre eigene Verantwortung einlassen wollen. Ungeeignet ist NAIKAN für Menschen, die eine Heilslehre oder Religion suchen oder eine Psychotherapie benötigen. Um NAIKAN zu praktizieren, sind keine besonderen Fähigkeiten oder geistigen Vorbereitungen erforderlich. 

 

Jörg Alex Fot organisiert und leitet die Kurse im NAIKAN Zentrum, unterstützt von weiteren ehrenamtlich tätigen NAIKAN-LeiterInnen.

Nehmen Sie bei Anfragen für ein Einzelgespräch oder einen NAIKAN Kurs gern Kontakt mit mir auf.

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Je einfacher etwas ist, desto mehr Kraft und Stärke liegt darin. [Meister Eckhart]