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30.08.2005 - dpa Pressemeldung



Deutsche Presse-Agentur dpa 30.Aug. 2005

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Japanische Selbstreflexion soll Häftlingen auf den rechten Weg helfen
Von Anita Pöhlig, dpa

Peine (dpa/lni) - Drei scheinbar einfache Fragen sollen Straffällige auf ihrem Weg in ein anderes Leben helfen. An sieben Tagen setzen sie sich in vollkommener Abgeschiedenheit mit ihrer Vergangenheit auseinander. Naikan - übersetzt Innenschau - heißt die japanische Methode zur Selbstreflexion. Nach einigen Probeläufen soll Naikan nun im niedersächsischen Strafvollzug fest verankert werden. In Peine wird am 20. September das erste deutsche Naikan-Zentrum hinter Gittern eröffnen. «Es ist ein bescheidener Anfang, aber die bisherigen Erfahrungen haben uns dazu ermutigt», sagt Dr.Monica Steinhilper, Abteilungsleiterin im Justizministerium.

«Es ist keine Therapie, es ist ein Weg zu sich selbst», erläutert Serdar. Der 24-Jährige sitzt wegen eines Raubes in Haft. In der JVA Braunschweig nahm er freiwillig an einem Kurs teil. Jeden Morgen um 5.30 Uhr wurde er für 15 Stunden in eine winzige Kabine und am Abend in eine Einzelzelle gebracht - kein Radio, keine Zeitung und keine Gespräche. Nur die Auseinandersetzung mit den Fragen «Was habe ich für meine Familie getan? Was hat meine Familie für mich getan? Welche Schwierigkeiten habe ich meiner Familie bereitet?».

Gelegentlich kam Naikan-Begleiter Wilfried Geppert vorbei. Dem Sportlehrer konnte Serdar von seinen Gedanken berichten, er musste es aber nicht. «Die Gefangenen nehmen nur für sich selbst teil, eine Strafmilderung gibt es nicht», stellt Geppert klar. Wenn die Sache angelaufen ist, sollen Häftlinge aus ganz Niedersachsen einen der sechs Plätze in Peine nutzen können. Voraussetzung ist allerdings, dass keine Fluchtgefahr besteht und dass sie nicht als gefährlich gelten.

«Zuerst habe ich gedacht, das ist wie Doppelhaft, ein Gefängnis im Gefängnis», erinnert sich Serdar. Doch irgendwann habe es Klick gemacht und ganz neue Gedanken seien auftaucht. «Man denkt ja, man ist Opfer, es ist ja leichter anderen die Schuld zu geben», sagt er selbstkritisch. Mit Hilfe von Naikan habe er erkannt, dass er auch Täter ist - eine Voraussetzung, um sich selbst ändern zu können. Der 25-jährige Erol pflichtet bei: «Ich erkenne auch Kleinigkeiten mehr an. Jeder Kaffee, den jemand für mich kocht, hat jetzt einen höheren Wert.» Dabei sei er anfangs sehr skeptisch gewesen.

Steinhilper hatte 2001 erstmals von der vor 50 Jahren in Japan entwickelten Methode gehört. Damals hatte Gerald Steinke, Gründer des Naikan Zentrums Tarmstedt bei Bremen, im Ministerium vorgesprochen. Um die Sache beurteilen zu können, nahm Steinhilper an einem Kurs teil. In einigen Bundesländern wird Naikan ebenfalls in Gefängnissen angeboten, weitere haben nach Angaben von Steinke Interesse bekundet.

«Naikan ist eine interessante Methode, die Gefangenen dazu zu bringen, sich mit ihren Straftaten und ihrer Zukunft eigenverantwortlich auseinander zu setzen», sagt Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU).

Das Zentrum in Peine, dass zur JVA Braunschweig gehört, ist für das Land zudem sehr günstig. Mitarbeiter haben Zellen selbst umgebaut und die Kosten wurden aus Bordmitteln der JVA beigesteuert. Da 25 Beschäftigte in Niedersachsen als Naikan- Begleiter ausgebildet sind, ist kein externes Personal nötig. «Nach sieben Tagen hat Naikan übrigens erst so richtig angefangen», sagt Serdan. Früher sei er aufbrausender gewesen. Nun überlege er vor jedem Streit, welche Rolle er dabei einnimmt.


(Internet: Naikan-Zentrum: www.Naikan.de
dpa pö yyni al )

300432 Aug 05




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