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17.09.1988 - Braunschweiger Zeitung



                 Naikan-Institut vermittelt Selbsterfahrungsmethode 

  Seit einem Jahr besteht in Wolfenbüttel eine Einrichtung. die zum Zeitpunkt ihrer Gründung die erste ihrer Art in Europa war, das Naikan-Institut am Schloßplatz.

  Hinter dem japanischen Wort Naikan (Nai - Inneres, kan - beobachten) verbirgt sich eine Selbsterfahrungsmethode, die Ishin Yoshimoto, ein ehemals erfolgreicher Geschäftsmann, vor etwa 50 Jahren entwickelt hat. 1980 wurde Naikan von Akira Ishii, Professor für Strafvollzug an der Aoyama-Gakuin-Universität in Tokyo, erstmals außerhalb Japans in Osterreich vorgestellt.

  In Klein Flöthe hat Gerald Steinke, der Leiter des Wolfenbütteler Instituts, ein umgebautes Bauernhaus gemietet, in dem die jeweils achttägigen Naikan Kurse in der erforderlichen Ruhe und Abgeschiedenheit stattfinden können.

   Für den gerade beendeten Kursus hatte Gerald Steinke Professor lshii, der sich auf einer zweimonatigen Europareise in Sachen Naikan befindet als Leiter gewonnen. Darüber hinaus bestand für Teilnehmer und Interessierte die Gelegenheit mit Professor Yoshihiko Miki zu sprechen. Miki ist Psychologieprofessor an der Internationalen Buddhistischen Universität von Osaka und leitet zusammen mit seiner Frau ein Naikan-Zentrum in Nara, Japan.
 
  „Die Wurzeln der Naikan-Methode reichen zurück in die buddhistische Tradition, etwa in die der asketischen Übungen des Zen. Diese asketische Tendenz zeigt sich bei Naikan, wie es heute praktiziert wird, in der völligen Abgeschiedenheit von allen Außenreizen, in der sich der Teilnehmer während der acht Tage dauernden Übung befindet“, erklärten die Gäste aus Japan. Einzige Kontaktperson, in dieser Zeit ist der Kursusleiter, der den Klienten im rund 90minütigen Abstand aufsucht und nach seinen Erinnerungen befragt.

  Man könne Naikan als eine systematische Erforschung der eigenen Vergangenheit bezeichnen, sagte Akira Ishii im Gespräch mit der BZ. Das Akzeptieren dieser Vergangenheit sei wichtig für das Bestehen der Gegenwart und eine positive Zukunftsgestaltung. „Als Behandlungsmethode beruht Naikan auf der einfachen Erkenntnis, daß jeder Mensch sich selbst und seine Umwelt nur aus eigener Sicht von seiner Person her sieht, die zwangsläufig einseitig und unvollständig sein muß“, erklärte Professor Ishii. „Ziel der Naikan-Methode ist es, dem Menschen ein möglichst vollständiges Bild seines Selbst dadurch zu vermitteln, daß er sich bewußt gleichsam wie ein äußerer Beobachter aus den Augen seiner Mitmenschen sehen lernt."

  Diese systematische Selbstbeobachtung erfolgt anhand von drei Fragen. die der Teilnehmer jeweils nacheinander für verschiedene Bezugspersonen - in der Regel beginnend mit der Mutter - zu beantworten hat. Erstens, was diese Person an Positivem für ihn und zweitens er für sie getan hat. Die dritte Frage, auf der meistens der Schwerpunkt liegt, befaßt sich mit den Schwierigkeiten, die der Klient der Bezugsperson bereitet hat.

  In Japan werde die - stets freiwillige - Naikan-Therapie in vielfältigen Bereichen angewandt. So in der Behandlung von neurotischen und psychosomatischen Patienten, in der Familien- und Drogentherapie und in der Rehabilitation von Strafgefangenen. Seit den sechziger Jahren werde Naikan auch in zwei anderen Bereichen praktiziert in der Geschäftswelt und in Schulen. Insgesamt nehmen in Japan jährlich etwa 2000 Klienten an einer Naikan-Therapie teil. 90 Prozent davon einmalig. erläuterten die Naikan-Spezialisten.

  Auf dem europäischen Kontinent gebe es außer in Wolfenbüttel noch ein weiteres Naikan-Zentrum in Purkersdorf in Österreich. rir


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Naikan-Zentrum gemeinnützige Gesellschaft mbH, Bremer Landstr. 34, 27412 Tarmstedt, Tel.: 04283- 20 04