Startseite  
Startseite
 
   
 
 
03.07.2013 - Intern. Naikankongress in Japan. Bericht von Ulrike Schulz, Naikanleiterin

 

9. Internationaler Naikan-Kongress in Tokio vom 25. und 26. Mai 2013

 

Bericht von Ulrike Schulz, Naikanbegleiterin im Naikan-Zentrum Tarmstedt

 

 

Der Kongress fand unter der Leitung von Professor Akira Ishii in der Aoyama Gakuin Universität Tokio statt. Es hatten sich etwa 100 Teilnehmer eingefunden, darunter ca. 24 ausländische Gäste aus China, Deutschland, Irland, Korea, Österreich und Taiwan.

Der Kongress wurde von Prof. Ishii eröffnet, der zur Verbreitung von Naikan in der Welt referierte. Außerhalb von Japan wird Naikan hauptsächlich im deutschsprachigen Raum angeboten, aber inzwischen werden auch Naikankurse u.a. in China angeboten.

Johann Schuh vom Insightvoice Zentrum in Wien berichtete über die Verbreitung von Naikan in Europa. Es gibt fünf Zentren in Österreich und mehrere Gastleiter. In Deutschland wird Naikan in vier Zentren angeboten: in Tarmstedt, im Bayerischen Wald, Dresden, Wartenberg. In Deutschland wird Naikan in mehreren Bundesländern im Strafvollzug geleitet. Hier begleiten mehrere ausgebildete Naikanleiter die Kurse.

In der Schweiz gibt es Einzelangebote ohne sog. Zentren.  Im Management und Coaching wird Naikan ebenfalls angeboten. Varianten kommen vor als Kodo-Naikan, Naikido. Es gibt länderübergreifende Naikanleitertreffen und einen Verein für klassisches Naikan.

 

Unter dem Titel „Naikan geht nach China“ schilderte Stan Toung vom Naikanzentrum in Shanghai den Entstehungsverlauf seit 2007. Dort übten mittlerweile unter intensiver Mithilfe von Frau Nakano und Prof. Ishii mit Dolmetschern über 160 Menschen Naikan, z.T. 10 Teilnehmer pro Kurs. Im letzten Jahr besuchte eine chinesische Delegation Justizvollzugsanstalten in Niedersachsen, in denen Naikan stattfindet.

 

Nach einer Mittagspause in der Mensa brachte Johanna Schuh mit einigen Gesangsbeiträgen andächtige Schönheit in den Hörsaal.

 

Nun folgten mehrere interessante und tief bewegende Erfahrungsberichte japanischer Naikanteilnehmer und einer deutschstämmigen Teilnehmerin aus Brasilien.

Sabine Kaspari (Naikan-Zentrum im Bayerischen Wald) schilderte ihren Weg zum und mit Naikan und ihre ersten Erfahrungen vom Naikanleiten in einer JVA. (Sabine Kaspari wird 2015 den nächsten Internationalen Naikankongress ausrichten.

 

Ein ehemaliges Mitglied der Yakuza (jap. Mafia) berichtete inkognito dem hingerissenen Publikum, wie er in der Haft Herrn Yoshimoto und Naikan kennengelernt hatte und Prof. Ishii interviewte ihn zu seinem späteren Werdegang.

Zum Abschluss der Vorträge tanzte die Künstlerin AnaMaria Christina temperamentvoll zu Südseeklängen und Flamenco und begeisterte das Publikum.

Anschließend gingen alle zusammen zum Essen - kreativ über alle Sprachbarrieren hinweg.

 

Am zweiten Tag des Kongresses berichteten zwei Lehrer über ihre Erfahrungen mit Naikan in der Schule (siehe Buch: Dittschar/Ishii/Yamada: Naikan in der Schule).

Yoshinori Tanuma hatte Naikan während einer „Todbringenden Krankheit ohne Hoffnung“ kennengelernt und übt jetzt täglich seit 20 Jahren. Es sei wie ein endloser Zwiebelschälprozess, sagte er und früher habe er die Haltung gehabt: „Im Leben gibt es Naikan“, jetzt empfinde er: „Ich lebe im Naikan jetzt“.

Der ehemalige Chef der Hotelkette ‚Tokyo-Inn‘ Norimasa Nishida schilderte, wie Naikan (40 Mal geübt) seinen beruflichen Erfolg begleitet hat. Naikan über ist in dem Konzern Einstellungsvoraussetzung.

Ingrid Stempel und Peter Jo Bauer stellten ihre Häuser in Wartenberg und Österreich vor.

Nach dem Mittagessen gab es die Gelegenheit zu einem Spaziergang in der wunderschön begrünten Universitätsanlage mit schönen menschlichen Begegnungen.

Shiwei Wei, der Leiter des Ausbildungsinstituts für Psychologen in Beijing (China) berichtete, dass in einer Haftanstalt in Beijing eine Naikan-Abteilung eingerichtet wurde. Außerdem soll Naikan in das Ausbildungsschema für Psychologen integriert werden.

Dann folgte ein sehr ausführlicher Erfahrungsbericht eines Mannes aus der Aum-Sekte (1995 verantwortlich für den Sarin-Anschlag in Tokio). Er berichtete, wie er dank Naikan Nationalismus, Fanatismus und Sektenzugehörigkeit überwand. „Begegnung mit den Eltern“ hieß sein tief bewegender Abschlussvortrag.

Der Kongress hat mich tief bewegt und war eine wunderbare Einstimmung auf die zwei darauffolgenden Naikanwochen in Karnizawa bei Frau Nakano.

 

Ulrike Schulz, Juni 2013

 



zurück  Druckversion

 

Startseite | Neuigkeiten | Was ist Naikan? | Zentrum | Texte | Presse | Rundfunk | Das Team | Termine | Links | Kontakt | Impressum


Naikan-Zentrum gemeinnützige Gesellschaft mbH, Bremer Landstr. 34, 27412 Tarmstedt, Tel.: 04283- 20 04