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01.07.2010 - Weiterführung des Naikan-Zentrums nach dem Tod von Gerald Steinke - Nachruf

Am 1. Juli 2010 ist Gerald Steinke, der Leiter des Naikan-Zentrums, seinem Krebsleiden erlegen.

Der größte und tiefste Wunsch von Gerald Steinke war es, dass das Naikan-Zentrum auch ohne ihn weiter bestehen bleibt.

Deshalb haben mehrere seiner Weggefährten, die von ihm autorisiert wurden, die Leitung der Naikan-Kurse übernommen.

Geralds Frau Dorle wird neben der geschäftlichen Leitung des Zentrums auch weiterhin für das leibliche Wohl der Teilnehmer sorgen.

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Nachruf auf den Naikan-Pionier Gerald Steinke

von Dr. Claudia Müller-Ebeling (Auszüge)

Zu wissen, worum es wirklich geht im Leben, ist ein seltenes Geschenk. Viele streben nach tiefen Einsichten und Erkenntnissen. Manchen ist eine beflgelnde Vision beschieden. Doch nur für WEnige wurde sie so nachhaltig sinnstiftend, dass sie ihren weiteren Lebensweg an dieser umwälzenden Erfahrung orientieren und anderen zugänglich machen.

Zu diesen raren Menschen zählte Gerald Steinke. Naikan war die Vision, die ihn beflügelte. Der Vermittlung dieser ebenso schlichten wie nachhaltig effizienten japanischen Methode der Innenschau widmete er - stets liebevoll und umsichtig von seiner Frau Dorle unterstützt - sein Leben und Wirken. Ihr 1995 in Tarmstedt bei Bremen gegründete Naikan-Zentrum wurde zum Dreh- und Angelpunkt von Naikan in Deutschland. Zu einer von Gerald Steinke umsichtig und weitsichtig geleiteten Schaltzentrale, die die effiziente Methode der Innenschau sogar in Justizvollzugsanstalten und Schulen, Kirchen und Kliniken etablierte.

Gerald Steinke wurde Mitte der achtziger Jahre bei einer Zen-Sesshin durch ausliegende Infoblätter auf Naikan aufmerksam. Er belegte ein Naikan-Schweigeseminar bei Akira Ishii (...) Anschließend wußte er: "Das ist meine Lebensaufgabe! Das ist es, was ich den Menschen in Deutschland geben möchte." In diesem entscheidenen Jahr machte er sechs Mal Naikan in Japan beim Naikan-Begründer Ishiin Yoshimoto.

Die wertfreie Konfrontation mit den ungetrübten Fakten seines Lebens befreite Steinke von Hass- und Schuldgefühlen, von Depressionen und quälender Schlaflosigkeit. Lange belastende Verstrickungen lösten sich endlich auf und ermöglichten die Erkenntnis, dass wir andere nicht ändern können: "Ändern können wir nur uns selbst, indem wir unseren eigenen Blickwinkel verändern."

Von 1987 bis zur Gründung des eigenen Zentrums machte Gerald Steinke Naikan geduldig und beharrlich vornehmlich in buddhistischen Zentren und an Orten der spirituellen Einkehr bekannt. (...)

Gerald Steinke begegnete allen, die den Mut aufbrachten, sich sieben Tage lang kompromisslos den eigenen Erinnerungen zu stellen, mit Respekt und stetiger Aufmerksamkeit. Frei von selbstsüchtigen Abmitionen stellte er sich ohne jeglichen Kommentar oder Bewertung demütig als neutraler Spiegel der Selbstreflektion zur Verfügung. Er war ein Freigeist im eigentlichen Sinne, der niemanden beherrschen, dominieren, belehren oder gar erniedrigen wollte. Ein schlichter, geduldiger Mensch (...).

(...). Der erfahrene Naikanleiter, der sich alljährlich in Japan dem mühsamen Prozess der Innenschau stellte, beherrschte die schwierige Kunst des Zuhörens und war vielen ein wertvoller Begleiter. Selbst Mördern in Gefängnissen bot er sich als neutraler Spielgel ihrer Taten an.

Steinke betrachtete alles, was im leise hinter den Paravents anvertraut wurde, als einen Schatz, den er sorgsam in seinem Inneren verschloss und verantwortungsvoll hütete. Die Perlen der Selbsterkenntnis (...) beflügelten ihn. Sie gaben ihm Kraft für sein unermüdliches Tun. Für sein Leben als Naikanleiter, unterstützt von seiner Frau Dorle - rund um die Uhr und das Jahr. (...)

Dabei hat er unsagbares Leid erfahren und selbstlos mannigfaltige Projektionen (auch aggressive) auf sich genommen und erduldet. Wie schwer diese Bürde für ihn oft war, kann nur Dorle erahnen. (...).

Im März 2008 sagte Gerald Steinke: "Wer eine sinnvolle Tätigkeit in seinem Leben gefunden hat, die ihn ausfüllt, braucht keine Zeit zu vergeuden, um an den Tod zu denken, sondern lebt sein Leben bis zum letzten Atemzug mit voller Kraft."

Geboren am 3.12.1953 starb der Naikan-Pionier am 1.7.2010 - viel zu früh mit 56 Jahren.

Doch die Saat der Vision seines Lebenswerkes bleibt lebendig.

 

 

 

 

 



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