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Die Vorworte zum Naikan Buch




Vorwort von Prof. Dr. Christian Pfeiffer, niedersächsischer Justizminister a.D.
Hannover, Februar 2003

Während meiner Zeit als niedersächsischer Justizminister habe ich das erste Mal von Naikan gehört. Gerald Steinke und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Lingen hatten mich um ein Gespräch gebeten, um mir über ihre Erfahrungen mit Naikan im Strafvollzug zu berichten. Ich war beeindruckt zu hören, dass Menschen mit dieser Methode lernen, Verantwortung für das eigene Schicksal zu übernehmen, Selbstmitleid hinter sich zu lassen, Schuld anzuerkennen, zu bereuen und die Chance auf Veränderung des eigenen Lebens entdecken.

Ich habe erfahren, dass Naikan im japanischen Strafvollzug seit den fünfziger Jahren mit großem Erfolg eingesetzt wird und nach wissenschaftlichen Untersuchungen sogar die Rückfallquoten bei jungen und erwachsenen Strafgefangenen deutlich reduziert. Nach alledem, was ich über die Wirkung von Naikan gehört habe, ist für mich dieser resozialisierende Effekt plausibel. Naikan lenkt den Blick von sich selbst auf andere, fördert Verständnis für den anderen und stärkt die Nächstenliebe. Es hilft, sich von einer negativen Vergangenheit zu lösen und sich positiv gestimmt einem Leben in sozialer Verantwortung hinzuwenden. Es war mir als niedersächsischer Justizminister ein Anliegen, den Weg für Naikan im Strafvollzug zu bereiten. Seit meinen ersten Gesprächen haben mehrere Vollzugsmitarbeiter Naikan selbst erfahren. Sie können sich demnächst mit Unterstützung des Justizministeriums in Hannover als Naikan-Leiter ausbilden lassen. Die Zukunft sehe ich in einem eigenen Naikan-Zentrum für den Justizvollzug in Niedersachsen mit Rahmenbedingungen, die den Blick nach innen und die Meditation erleichtern. Ich bin zuversichtlich, dass die visionäre Kraft der durch Naikan gestärkten Vollzugsbediensteten dieses Ziel Wirklichkeit werden lässt.

 




Vorwort von Erwin Seifried naikan-cover300.jpg
Krankenhauspfarrer am Theresienkrankenhaus Mannheim


Die Landschaft unseres Lebens, die sich im Lauf der Zeit in uns heranbildet, ist geprägt von all den Erfahrungen und Eindrücken, die uns widerfahren. Dabei beherrschen die schmerzlichen, die negativen Erlebnisse das Feld. Sie graben sich tief ein und verfälschen so das Gesamtbild, weil das Gute, das wir empfangen haben, leicht in Vergessenheit gerät. „Meine Mutter hat mich abgelehnt“ — „Mein Vater hat mich geschlagen“ — „Mein Lehrer hat mich ungerecht behandelt“— „Ich bin ein benachteiligter Mensch“ — und so weiter .... Naikan hält solchen Auslegungen stand. Naikan ist ein Weg, das Ungleichgewicht in den Waagschalen des Lebens auszugleichen. Naikan gräbt intensiv nach den Schätzen, die — ans Licht gehoben — das Grundgefühl verändern. Wer sich einer Woche Naikan stellt — in Abgeschiedenheit und Geborgenheit — kommt zum Ergebnis: Ich bin ein reich beschenkter Mensch.
Wer mit Menschen zu tun hat, kann mit Hilfe von Naikan einen Weg anbieten, der die Grundeinstellung zu den Menschen, zum Beruf, zum Leben nachhaltig verbessert. Deshalb bin ich dankbar, dass es diesen Weg gibt, dass ich ihn gehen durfte und dass ich ihn weitergeben kann.


Vorwort von Dr. med. Godehard Stadtmüller
Chefarzt der psychosomatischen Adula Klinik in Oberstdorf


Naikan — das japanische Wort bedeutet „Innenschau“ — gehört zu jenen aus dem Orient kommenden Methoden der Meditation und des Stillewerdens, welche ein wesentlicher Antipode zu ausdrucksbetonten Formen der Psychotherapie sind. Eine Reihe fernöstlicher Disziplinen scheinen — zum Teil losgelöst aus dem ursprünglichen religiösen Kontext — die Psychotherapie sehr zu befruchten und auch eine kulturelle Breitenwirkung zu entfalten.
Die Begegnung von Ost und West — früher akademischen Zirkeln vorbehalten — sind als Massenphänomen eines der großen Abenteuer unserer Epoche. So sind Übungen des Hatha-Yoga weitgehend aus dem hinduistischen System herausgelöst, Zen-Übungen weitgehend unabhängig von der buddhistischen Dogmatik im Abendland rezipiert, angeboten und modifiziert worden. So werden Qi Gong oder Taiji geübt, ohne dass dazu jemand den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin anhängen muss. Für die abendländische Psychologie stellt sich die bedeutende Herausforderung, diese Techniken und Theoriegebäude aufzunehmen, sie gedanklich zu durchdringen, intellektuell und praktisch zu integrieren. Für die praktische Psychotherapie sind sie eine große Anregung, wobei auch hier, wie in der gesamten Heilkunde, das Pendel zwischen der Gefahr des Biologismus und der Gefahr des Psychismus bzw. Spiritualismus sich immer neu einzustellen und zu justieren hat.

Naikan hat in meiner Wahrnehmung nicht primär die Versöhnung zum Ziel. Die Versöhnung, wenn sie geschieht, ist eine Folge von gut geübtem Naikan. Die Basis von Naikan ist genaues Hinsehen — Hinsehen auf eine innere Wirklichkeit, die durch Urteile und Konzepte oft verstellt wird. Solche inneren Urteile können die Schuld am eigenen Versagen bei bestimmten Umständen oder bei anderen Personenfestmachen oder auch Änderungsmöglichkeiten in einem hochmütigen Selbsthass verstellen.
Die Methode des Naikan bewirkt in ihrer Fokussierung auf wenige wiederholte Fragen — vielleicht in Analogie zur Übung, ein Koan zu betrachten — eine zunehmende Deutlichkeit und Klarheit der inneren Landschaft. Die Klarheit und der Detailreichtum im Erinnern führen dazu, dass sich die Haltung zur eigenen Biographie und zu den wesentlichen, die eigene Lebensgeschichte begleitenden Personen verändert. Die Veränderung geschieht in Hinsicht auf Akzeptanz und zwar Akzeptanz in der nüchternen Form des: „Ich weiß, was war, und ich weiß, was ist“. Hier trifft sich Naikan mit psychotherapeutischen Verfahren, die lösungsorientiert sind, wie z. B. die lösungsorientierte Therapie von Steve de Shazer.
Die Erfahrungen, die mit Naikan bei Strafgefangenen gemacht wurden — vielleicht in Analogie zu den Erfahrungen mit Vipassana in indischen Gefängnissen —, sind vielversprechend.
Meine eigene kurze Erfahrung, als Herr Steinke für Therapeuten in unserer Klinik einen Naikan-Workshop gab, war bewegend. Es wurden nicht große Gefühlsstürme aufgerührt, sondern es wurden Dinge glasklar, Vorgänge scharf umrissen, der Nebel über manchen Abschnitten der Biographie lichtet sich und die Regionen der innerseelischen Landschaft erscheinen transparent wie im Scirocco.

 










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